Ausgangslage
Seit dem Jahr 1981 hatte sich die erste, auf landwirtschaftlichen Flächen in Steinberg gehaltene

Auerochsenherde prächtig entwickelt. Auch aus züchterischer Hinsicht war, u.a. durch Einkreuzung von Tieren aus dem Wildgehege Neandertal im Jahr 1989, eine repräsentative Zucht entstanden. Die Vitalität der ganzjährig im Freien lebenden Auerochsenherde von Steinberg wurde in dem Filmbeitrag von Ulrike Schmitz sichtbar und machte den für die Insel Wörth zuständigen Naturschützer der Bayer. Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen- neugierig. Intensive Kontakte und die Absicht den Zuchtstandort Steinberg – zumindest teilweise – aufzugeben, führte schließlich im Herbst 2005 zu einem

Vertrag über die Landschaftspflege durch die VFA-Mitglieder Gregor und Claudia Frisch und der Schloss- und Gartenverwaltung Linderhof (
www.linderhof.de ). Die Vorbereitungszeit war kurz und so war es umso erstaunlicher, dass am 8. Dezember 2005 neun Auerochsen aus der Herde von Steinberg in drei Etappen die Reise auf einer Fähre über den Staffelsee ( siehe
Videogalerie) antraten.


Auf der Insel angekommen eroberten sich die Rinder sogleich in gewohnter Gelassenheit das neue Territorium auf der Südhälfte der Insel. Das sollte zunächst - zur Eingewöhnung - das Winterquartier werden. In enger Abstimmung mit Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde, des zuständigen Veterinäramtes und des Amtes für Landwirtschaft und Forsten sowie in gemeinsamen Begehungen wurden Hintergründe und Ziele des Beweidungsprojektes „Insel Wörth“ erörtert um eine gemeinsame Grundlage für die weitere Entwicklung zu schaffen.
Projekt „Insel Wörth“
Durch seine Insellage bietet die Insel Wörth mit einer Größe von ca. 36 ha den Sonderfall eines isolierten Landschaftsbildes, das gleichsam eine Miniaturdarstellung des oberbayerischen Landschaftsbildes, umgeben von einem der schönsten Seen Bayerns, widerspiegelt. Hügel, Wälder, urige Eichen, Wiesen, Feuchtbiotope, mithin eine üppige Flora und Fauna gilt es zu gewinnen oder zu erhalten. Mit den Worten von Ödön von Horvarth ist es der schönste Platz am nördlichen Rand der bayerischen Alpen und lohnt eine Besichtigungs- oder Urlaubsreise. Ein großes Angebot von Ferienunterkünften sorgt für einen erholsamen Urlaub ( www.fewo-staffelsee.com ).

Durch die herkömmliche Bewirtschaftung, ausschließlich mit einer Sommerbeweidung in der Vegetationszeit kam es in den vergangenen Jahrzehnten zu einer zunehmenden Verwilderung der Insel- und Waldrandzonen, sowie der Alleen und Alteichenbestände, sodass nur durch Maschineneinsatz eine völlige Verwilderung vermieden werden konnte. Eine konsequente aber sanfte Umstellung der Bewirtschaftung ist deshalb angezeigt.
Projektziele
Für die Erstellung von Leitbildern und Zielen im Naturschutz ist die Frage wichtig, wie die Naturlandschaft Mitteleuropas aussähe, hätte der Mensch nicht zahlreiche Großtierarten ausgerottet oder ihre Bestände dezimiert. Unter dem Einfluss der ursprünglich heimischen Herbivoren kann die Naturlandschaft im Rahmen nacheiszeitlicher Entwicklungen als Mosaik verschiedener Entwicklungsstadien aus Wald und Offenland angenommen werden. Unter natürlichen Bedingungen gestalten die großen Pflanzenfresser Lebensräume für andere Tier- und Pflanzenarten. Große, ganzjährig im Freien lebende Pflanzenfresser müssen daher in dem Prozess der mitteleuropäischen Ökosysteme im Naturschutz berücksichtigt werden. Wisente, Auerochsen und Wildpferde prägten durch Jahrtausende die Landschaft und sorgten – geführt von ihrem Naturinstinkt – für artenreiche und lichte Mischwälder, Wiesen- und Auenlandschaften, in denen sich eine vielfältige Kleintier- und Pflanzenwelt entwickeln konnte. Für das Projekt „Insel Wörth“ bedeuten diese Erkenntnisse die einmalige Chance, im Projektversuch, den z.T. gestörten Naturhaushalt wieder herzustellen und langfristig zu sichern.

Ziel des Projekts ist es, die Rahmenbedingungen zu schaffen und das Zusammenspiel von Fauna und Flora unter natürlichen Bedingungen zu beobachten. Die Tiere sollen dabei bewusst nicht durch Zäune zur Beweidung bestimmter Flächen gezwungen werden. Vielmehr ist zu beobachten und auszuwerten, wie sich die Natur, durch selbst betriebene Landschaftspflege ohne Zubringung von externen Ressourcen entwickelt und inwieweit
sich Erkenntnisse aus diesem Projekt für die Erhaltung der Kulturlandschaft auch auf andere landwirtschaftliche Betriebsformen anwenden lassen.
Umsetzung der Landschaftspflege mit Auerochsen
Für das in Angriff genommene Projekt bedeuten die Erkenntnisse der Naturentwicklung die Realisierung einer ganzjährigen und ganzflächigen Haltung von Auerochsen (Heckrindern). Erstmalig soll in diesem einzigartigen Projekt die Landschaftspflege, so weit als möglich, ausschließlich mit und durch die Natur selbst erfolgen. Zur Wiederherstellung und Erhaltung der Kulturlandschaft wird der Mensch nur eine Kontrollfunktion einnehmen, um veterinär- medizinische, tierschutz- und naturschutzrechtliche Belange in Einklang zu bringen bzw. sicherzustellen. Es ist beabsichtigt, den Projekterfolg durch eine wissenschaftlich fundierte Begleitung (Monitoring) unter der Leitung der Unteren Naturschutzbehörde in Kooperation mit dem Verein zur Förderung der Auerochsenzucht (VFA) e.V. zu gewährleisten.